Was sich in der 6. Mottoshow von DSDS nun sehr deutlich abzeichnete ist das unleugbare Bestreben vonseiten der Jury, Frohnatur Marco Angelini aus Österreich, den konstantesten und vielseitigsten Leistungserbringer unter den Kandidaten der 8. Staffel, endlich abzuschießen. Man kann über die dahinterstehenden Beweggründe nur spekulieren. Offenkundig ist allerdings, dass etwas an den merkwürdig einstudiert wirkenden und zugleich in der Sache substanzlosen Jury-Statements faul sein muss, denn Angelini liefert immer, hat eine kraftvolle Stimme und verbindet Ausstrahlung und typische Frauenschwarm-Optik mit dem Charme und Schmäh eines alt-österreichischen Hofrats aus der k.u.k-Zeit.

Die Kritik bleibt auch stets vage und unbestimmt. Manchmal möchte man den drei Knallchargen am Pult zurufen „Tut mal Butter bei die Fische! Sagt konkret, was Marco falsch gemacht hat! Texthänger? Töne versemmelt? Sprachliche, geistige oder menschliche Defizite?“ Nichts von alledem wird man sich erkühnen ihm zu attestieren. Das Unbehagen an Marco Angelini dürfte wohl eher damit zu tun haben, dass er mit seinen 26 Jahren und seinem beruflichen Hintergrund als Mediziner schon eine reife, selbstbewusste Künstlerpersönlichkeit ist, mit eigener Band und Bühnenerfahrung, einer also, der sich nicht so leicht ein X vor ein U vormachen liesse. Einer, der schnell durchschaut wenn er übers Ohr gehauen werden soll. Vor allem jemand, der im Falle eines Sieges nicht den Apportierhund für den DSDS-Grundy-RTL-Bohlen-Komplex machen würde und nicht jedes Stöckchen bringt das man ihm zuwirft. Einer also, der – selten genug in diesem Metier – tatsächlich selber denkt. Will man sich auf dieses Risiko nicht einlassen und wird deshalb versucht, ihn durch bizarre Kritiken zu entmutigen und beim Publikum ins ungünstige Licht zu rücken?  Der Verdacht erhärtet sich von Sendung zu Sendung. Anscheinend hat man in der Führungsetage von RTL aus dem Warnschuss vom vorigen Jahr nichts gelernt.

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