Der DSDS-Kandidat mit dem verschmitzten Lächeln ist durchaus ein Mann mit Ecken und Kanten. Er ist bodenständig, herzlich, humorvoll, fleissig, zielorientiert, jedoch ohne ein Streber zu sein. Er kann klar Position beziehen bei Konflikten, ohne dabei jedoch zu verletzen oder anderen die Tür ins Gesicht zu schlagen. Er ist hilfsbereit, wann immer Not am Mann ist. Allerdings fehlt ihm alles, was dem Anschein nach für RTL und Produktionsfirma Grundy Entertainment zu einem seriösen Gesangswettbewerb unabdingbar dazugehört: ein Vorstrafenregister, eine schwere Krankheit oder Behinderung bei sich selbst oder in der Familie, ein zu Tränen rührendes Kriegsschicksal, ein paar Jahre Hartz IV-Bezug. Oder zumindest ein aufdringlicher Charakter, Macho-Allüren oder offen ausgelebte Aggressivität und harte Bandagen im Umgang mit der Konkurrenz. Wenigstens ein wenig rülpsen könnte er doch zu Tische, wenn die Kamera läuft. Oder schamgrenzenlos aus seinem Privatleben plaudern, was er sehr zum Leidwesen der Vermarktungsmaschinerie unterlässt.

Marco Angelini entspricht so gar nicht dem RTL-Anforderungskatalog an Trash und Triviales. Und ist gerade darum der beste Kandidat den dieses in Deutschland (und zwar nur in Deutschland!) reputationsmässig krass lädierte TV-Format seit langem zu bieten hat. Marco zeigt sich vielseitig, enorm wandlungsfähig, lässt sich nicht auf ein Genre festlegen, versprüht jede Menge Charme, bringt mit viel Sex Appeal Samstag für Samstag erstklassige Leistungen auf der Mottoshow-Bühne. Marco Angelini liefert. Immer!

Wem das zuwenig ist, dessen Wahrnehmungsvermögen ist eben nach 8 Staffeln DSDS schon unrettbar herunterRTLisiert. Der vermisst an Marco nicht Profil, sondern Profilneurose. Von letzterer hat so mancher Kandidat, aber auch Juror,  ja mehr als genug. Es ist also für jeden was dabei. Ein Grund Marco zu verbiegen besteht jedenfalls nicht!

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