INTERVIEW MTI FADY MAALOUF  
 

Fady Maalouf – zweiter Sieger von Deutschland sucht den Superstar – ist ebenfalls erfolgreich mit seinem Debut-Album in die Charts eingetreten. Wir haben ihn in Zürich getroffen und einige Fragen gestellt.

hitparade.ch: Was hat dich dazu bewegt, bei DSDS mitzumachen? Hast du vorher versucht, den klassischen Weg, zum Beispiel mit einer Band, einzuschlagen?
Fady: Ich habe viele Jahre schon in Piano-Bars gesungen. Weil ich meine eigene Musik schreibe, jeweils in Französisch und Englisch, habe ich auch immer versucht, ein paar Demos an die französischen Labels zu schicken. Aber da die natürlich jeden Tag Tausende solcher Sachen bekommen, ist das natürlich ganz, ganz schwer. Von einer Casting-Show wie DSDS war ich überhaupt nicht überzeugt. Ich wusste nicht, wie das geht. Ich war etwas besorgt, dass das nicht der richtige Weg für mich sein könnte. Es ist auch wirklich schwer, ein Jury-Mitglied in weniger als 10 Sekunden von dir zu überzeugen. Aber meine ganze Familie und meine Freunde haben mich sozusagen unter Druck gesetzt, indem sie mir angedroht haben, dass sie nicht mehr mit mir sprechen, wenn ich nicht dahin gehe (lacht). Also bin ich dann doch hingegangen. Ich fand es aber wirklich komisch. Und innerhalb der Castings habe ich mir sogar gewünscht, wieder rauszufliegen. Das hat sich dann aber bei den ersten Shows sofort geändert. Die Zuschauer haben mich gewählt und das war etwas ganz anderes. Ab diesem Punkt habe ich mich dann entwickelt und wirklich hart gearbeitet.

hitparade.ch: Hinsichtlich deines Geburtsdatums gab es ja schon zu Anfangszeiten der Show Diskussionen (1976 oder 1979). Wie denkst du darüber, dass mit 30 Jahren die Obergrenze für die Teilnahme gezogen wird?
Fady: Ich finde diese Begrenzung nicht gut. In Frankreich ist die Grenze bei 35, in anderen Ländern sogar noch höher. Ich finde es besser, wenn es diese Grenze gar nicht gibt, jeder sollte seine Chance bekommen können. Nimm als Beispiel Paul Potts. Er sieht nicht wirklich gut aus, ist über 40 Jahre alt und auch in den Charts.

hitparade.ch: Bereits nach kurzer Zeit bei DsdS war dein Privatleben die Titelstory einer großen deutschen Tageszeitung. Wie bist du damit umgegangen?
Fady: Das ist ja nur ein Beispiel. Wenn man in der Öffentlichkeit steht, ist das ja immer so. Ich habe mein Zeugs gar nicht gelesen, ich habe das alles abgeblockt und mich nur auf meine Musik konzentriert. Ich hatte schon so genug Stress. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, das alles gar nicht zu lesen.

hitparade.ch: Die Tragödie um deine Familie hat viele Fans berührt. Wie sieht die Situation heute aus?
Fady: Sie wohnen in einer sehr schönen ruhigen Ecke am Meer. Es ist wirklich sehr schön dort. Sie genießen die Sonne, gehen schwimmen, solche Sachen eben.

hitparade.ch: Manche Stars reden gar nicht über ihr Privatleben, andere plaudern darüber, weil sowieso immer darüber geschrieben werden wird – welche Linie fährst du?
Fady: Ich rede überhaupt nicht über mein Privatleben, das ist ja auch mein Recht. Ich fand es wirklich komisch, dass die Reporter nur an dem interessiert sind. Ich habe Tausende von Fans und ich habe auch sehr viel Kontakt mit meinen Fans, niemals hat jemand von denen etwas Privates gefragt. Die Reporter sind ja nur auf der Suche nach einer guten Story.

hitparade.ch: Dieter Bohlen war während der Sendung ein Fan von dir und oft auf deiner Seite. Weshalb hat er dein Album nicht produziert?
Fady: Weil er komplett mit Mark Medlock beschäftigt ist und somit keine Zeit für jemand anderen hat. Ich hatte die Chance mit Alex Christensen den Titel „Blessed Up“ aufzunehmen. Das Ergebnis war toll, deshalb wollte ich weiter mit ihm zusammenarbeiten und so haben wir die ganze Platte gemeinsam gemacht. Und ich bin wirklich total zufrieden. Es ist eine große Chance mit ihm zu arbeiten. Ich mag ihn sehr als Künstler und auch als Mensch. Er ist sehr, sehr nett. Jetzt sind wir also ein Team.

hitparade.ch: Alex Christensen war bisher eher als Dance-Produzent bekannt – du machst ja etwas komplett anderes. Wie verlief die Zusammenarbeit mit ihm?
Fady: Um ehrlich zu sein, ich habe vor DSDS nie Balladen gesungen. Das ist eine Seite von mir, ich habe sie bei DSDS entdeckt und weiterentwickelt. Aber das sind gerade mal 5% von Fady. Auf meiner Platte sind auch Dance-Titel oder auch Songs im Latino-Style. Und da ist Alex Christensen genau der Richtige, er hat auch schon alles Mögliche gemacht, viele verschiedene Sachen. Es war also wirklich eine gute Wahl mit ihm zu arbeiten.

hitparade.ch: Wie viel hast du an den Songs auf dem Album mitgearbeitet?
Fady: Ich habe alle Titel ausgesucht. Die Leute von Sony und von meinem Management haben Songs vorgeschlagen und sie haben schon sehr meinen Geschmack getroffen. Sie wussten auch, dass ich nicht nur Balladen singen wollte. Aber ich hatte die Freiheit alles auszusuchen.

hitparade.ch: „Papillon d’amour“ ist ein Französisch gesungener Titel. Hörst Du privat gerne Französische Musik? Wenn ja, wer sind Deine Lieblingskünstler im Französischen Raum?
Fady: Den Text zu „Papillon d’amour“ habe ich auch geschrieben. Französisch ist ja nun auch meine Muttersprache. Ich habe als Kind viel Celine Dion gehört. Wegen meiner Musikausbildung habe ich auch viele klassische Stücke in Dranzösisch und Deutsch gesungen. Die aktuellen, die neuen Mischungen, die im Französischen Fernsehen laufen, wie etwa HipHop – alles in Französisch – mag ich auch sehr gerne.

hitparade.ch: Bei DSDS hast du auch einen deutschen Song („Und wenn ein Lied“) aufgeführt, der vom Publikum sehr gut aufgenommen wurde. Hattest du dir nicht auch überlegt, neben einem Französischen Song auch einen Deutschen Song fürs Album aufzunehmen?
Fady: Ich war ja wirklich sehr besorgt damals, den Song in Deutsch aufzuführen. Ich musste dafür hart trainieren. Ich möchte aber sehr gerne noch mal etwas in der Art machen. Aber erst, wenn ich mein Deutsch verbessert habe. Dann möchte ich selber was schreiben und das hätte dann auch eine richtige Bedeutung. Es wäre dann wie ein Danke an meine Fans und auch an Deutschland, was jetzt meine Heimat geworden ist. Ich warte also noch ein paar Monate, ich übe erst noch etwas und dann schreibe ich etwas schönes.

hitparade.ch: Du hattest bei DSDS ja hauptsächlich nur Teenies als Fans. Welche Zielgruppe möchtest du hauptsächlich mit deinem Album ansprechen?
Fady: Das stimmt nicht, dass ich nur Teenies als Fans habe. Wenn man auch mal auf meine Seite schaut, dann merkt man, dass da von 10 bis 80 Jahren alles dabei ist. Die meisten sind natürlich weiblich, aber das Altersspektrum ist sehr breit gefächert. Mein Ziel ist, dies zu behalten. Ich will sowohl die Babys begeistern als auch die ältere Generation.

hitparade.ch: Viele ehemalige DSDS-Teilnehmer sind nach einem ersten, relativ erfolgreichen Album in der Versenkung verschwunden. Wie versuchst du, dies zu vermeiden?
Fady: Ich arbeite sehr hart, schlafe kaum, mache viel Promo. Ich habe eine gute Platte. Ich glaube, die Leute mögen mich so, wie ich bin. Ein Vorteil ist, dass ich mehrere Sprachen beherrsche und dass ich in sehr vielen Genres singen kann. Meine Stimme kann sehr facettenreich sein. Das alles sind gute Zeichen dafür, dass ich der erfolgreichste Zweitplazierte bei DSDS bin.

hitparade.ch: Dank der grossen Nachfrage hast du es ja geschafft, doch noch einen Vertrag mit Sony BMG zu bekommen. Kam dies eher überraschend?
Fady: Das war schon eine Überraschung. Ich war in der Sendung, wusste aber nicht, wie große meine Fanbase wirklich ist. Von daher kam das schon überraschend. Es kamen wirklich unendlich viele Faxe und e-mails für mich an und das war wohl auch ein guter Grund, dass Sony dann an mich geglaubt hat. Zweiter geworden zu sein, ist schon fast ein Kompliment für mich. Denn die Plattenfirma war nicht verpflichtet, einen Vertrag mit mir zu machen. Es ist schon gut für mein Ego, für mich als Künstler zu wissen, dass sie an mich glauben.

hitparade.ch: Thomas Godoj meinte, er habe keinen Plan B, falls er bei DsdS scheitern würde. Wie hätte dein Plan B ausgesehen, falls es nicht dazu gekommen wäre?
Fady: Ich möchte nicht die Sätze von Thomas klauen, aber ich hatte auch keinen Plan B. Ich habe zwar Modedesign studiert, aber es war schon immer meine Leidenschaft Musik zu machen. Ich habe dafür viele, viele Jahre gekämpft, meinen Lehrern und meinen Eltern gezeigt, dass ich das wirklich will. Ich habe sogar meine Eltern verlassen um meinen Traum zu verwirklichen. Natürlich hätte ich nie gedacht, dass es durch so etwas wie DSDS passieren könnte, aber ich wollte unbedingt versuchen ein Label zu bekommen. Das wäre schon sehr traurig gewesen, wenn es nicht geklappt hätte.

hitparade.ch: Von den Wirren eines Bürgerkrieges bis in die Top 3 der Single- und Albumcharts – inwiefern denkst du beeinflussen deine bisherigen Erfahrungen deinen Umgang mit dem Erfolg?
Fady: Wenn ein Kind oder generell wenn man schwere Zeiten durchmacht, dann macht einen das stärker. Das ist wie eine Schule für mich gewesen, wie ich mit Angst oder auch Stress umgehen kann. Dazu kam dann noch DSDS, was auch wie eine Art Schule war mit dem plötzlichen in der Öffentlichkeit stehen und den ganzen Aufgaben drum herum. Ich glaube, wenn man smart ist, kann man alles Schlechte in etwas Positives umwandeln.

hitparade.ch: Du sagst, du macht viel Promotion, wie wichtig ist für dich die Promotion über das Internet, zum Beispiel durch Portale wie MySpace? Oder denkst du, dass du deine Zielgruppe dadurch nur schwer erreichst?
Fady: Ich habe auch eine MySpace-Seite, auf der ich schon über 200.000 Besucher hatte. Auf meiner Homepage hatte ich schon über 2,4 Millionen Besucher. Das ganze ist ja auch eine Verbindung zu meinen Fans. Ich liebe das Internet, ich bin ein richtiger Internet-Freak. Und ich liebe die Kommunikation, die das Internet bietet. Ich mag das alles, die Chats, das Posten von Videos, Nachrichten schreiben. Ich lese auch alles. Manchmal erzählen sie mir auch Neuigkeiten über mich, die ich noch gar nicht kenne (lacht). Zum Beispiel wo ich in einem Monat einen Auftritt haben werden, während ich jedoch überhaupt keine Ahnung davon habe. Das Internet ist eine sehr gute underground-Promo-base.

hitparade.ch: Du bestreitest momentan viele Fernsehauftritte und vereinzelte Konzerte. Planst du eine richtige Tour und was kann man davon als Zuschauer erwarten?
Fady: Ich baue mir gerade eine Band auf, fange klein an und mache das dann Schritt für Schritt. Ich werde dann irgendwann mehrere Musiker in der Band haben. Darauf können sich meine Fans freuen.

hitparade.ch: Natürlich ändern sich mit dem Erfolg auch die weiteren Ziele – wie sehen diese nunmehr bei dir aus?
Fady: Eines meiner Ziele ist ein Duett mit Celine Dion. Ich möchte auch erfolgreich bleiben, aber natürlich auch wachsen, ich würde schon gerne ein Weltstar sein.

Zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du einen Kommentar zu den Songs abgeben?

10. Enrique Iglesias – Can You Hear Me
Fady: Ich mag seine Stimme nicht und demzufolge auch nicht den Titel. Ich finde auch, dass er in diesem Clip nicht gut aussieht. Ich bin besser (lacht).

9. Jordin Sparks with Chris Brown – No Air
Fady: Ich mag Chris Brown, der Song ist gut geworden.

8. Jason Mraz – I’m Yours
Fady: Kenne ich nicht.

7. Leona Lewis – Better In Time
Fady: Ich liebe sie. Sie ist wirklich toll. „Summer time“ von ihr ist wirklich ganz toll.

6. Coldplay – Viva la vida
Fady: Mag ich nicht.

5. Madonna – Give It 2 Me
Fady: Sie gefällt mir.

4. Amy Macdonald – This Is The Life
Fady: Nein, mag ich nicht. Ich finde, sie klingt ein bisschen nach den Cranberries.

3. Katy Perry – I Kissed A Girl
Fady: Das gefällt mir nicht.

2. Gabriella Cilmi – Sweet About Me
Fady: Das ist ganz okay.

1. Kid Rock – All Summer Long
Fady: Kid Rock nervt mich total.

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